Seit ich zwei Jahre alt bin, haben mich meine Eltern mit auf die Elsper Freilichtbühne genommen. Dort bin ich mit Schauspielern, Stuntmen, Pferden und viel Action groß geworden. Schon mit 6 Jahren hat mein Lehrer Meinolf Pape mir die ersten Judo-Tricks beigebracht und ich wusste, dass ich Stuntman werden wollte.

Während meine Freunde verstecken und fangen spielten, habe ich bereits meine ersten Feuerstunts geprobt.

Ich wartete bis meine Eltern aus dem Haus gegangen sind. Im Kosmetikschrank meiner Mutter hatte ich eine Flasche Nagellackentferner gefunden, auf dem ein Flammensymbol war – das konnte nur heißen dass das Zeug gut brennt!

Also habe ich die Badewanne mit Wasser gefüllt, ein paar alte Klamotten nass gemacht und angezogen. Darüber dann noch eine trockene Schicht und ab ging’s…

Im Flur hatte ich eine Videokamera aufgebaut und mein Bruder Mario filmte und passte auf, dann habe ich meinen Pulli mit dem Nagellackentferner getränkt und angezündet.

Wenn ich dann in Flammen stand, bin ich durch den Flur gelaufen und in die Wanne gesprungen.

Meine Eltern haben sich zwar über den unheimlichen Verbrauch an Nagellackentferner gewundert, sonst aber nie etwas gemerkt.

Sollte mal etwas angebrannt sein, habe ich die Sachen ganz unten in der Mülltonne versteckt.

Auch meine ersten Sprünge fanden heimlich im Haus meiner Eltern statt.

Sobald die Tür ins Schloss fiel und nichts Brennbares in Reichweite war, haben Mario und ich die Matratzen aus den Betten in unseren Garten geschleppt und unter dem Balkon gestapelt. Dann ging’s hinunter, kopfüber und kopfunter…

Neben den Judo-Tricks brachte Meinolf Pape mir auch alles andere bei – Reiten, Fallen, Pferdetricks und was ein Stuntman sonst noch so können muss.

Mit zehn Jahren konnte ich schon vom galoppierenden Pferd fallen und zwei Jahre später mit

meinem Pferd Watussi in vollem Galopp stürzen, zu der Zeit war ich der jüngste Stuntman Europas.

Das erste Mal „Brennen“ durfte ich 1997.

In „Winnetous letzter Kampf“  habe ich meinen Lehrer Meinolf Pape, der sich in der letzten Szene nicht so schnell umziehen konnte, gedoubelt und stand zum Schluss als lebende Fackel auf der Kirche.

Das Leben als Schauspieler oder im Film ist nichts für mich, in Elspe ist alles live, das reizt mich.

Immer wieder versuche ich neue, spektakulärere Tricks um dem Publikum etwas bieten zu können und um meine Adrenalin-Sucht zu befriedigen.

Dabei gehe ich oft bis an die Grenzen.

2002 bin ich zum ersten Mal in einer Show brennend mit meinem Pferd durch eine 3 Meter hohe Feuerwand geritten, ein Stunt der bis dahin europaweit nur von einem französischen Stuntman ausgeführt wurde.

Um meine Idee mit dem brennenden Pferd umsetzen zu können, benötigte ich viele Helfer und Zeit (allein das Training mit dem Pferd dauert über ein Jahr).

Im gleichen Jahr hat mich unser Geschäftsführer Jochen Bludau gefragt, ob ich den Brückenstunt übernehmen will, mein bisher schwerster Job.

Ich stand auf einer 18 Meter hohen Hängebrücke. Diese riss bei der Explosion in der Mitte auseinander und ich stürzte hinab in die Tiefe – und stellte direkt fest:

das ist besser als Bungee springen!

Nebenbei habe ich mit meinem Kollegen Ivica Zdrakovic an einem neuen Feuerstunt gearbeitet.

In der „Irrfahrt des Odysseus“ musste ich während einem Schwertkampf komplett von Kopf bis Fuß brennen.

Dies war eine einmalige Herausforderung für mich und die Elsper Freilichtbühne, da solche Feuerstunts bei uns bisher nicht vorgeführt wurden.

Ich habe diesen Stunt weiter perfektioniert, so das ich 2003 brennend aus

18 Meter Höhe den Wasserfall runter springen konnte.

Dies war der spektakulärste Stunt in der Geschichte des Elspe Festival.

Hierbei ist es nicht die Höhe, die diesen Stunt so einmalig macht.

In früheren Vorführungen haben Springer immer nur auf dem Rücken gebrannt, ich stand jedoch von Kopf bis Fuß in Flammen.

Beim Absprung muss ich mich ganz auf mein Gefühl verlassen, da ich durch die Flammen meine Absprungstelle nicht erkennen kann.

Geschützt werde ich durch feuerfeste Kleidung (34 kg) und einigen speziellen Utensilien für Feuerstunts aus Amerika.

Ein Stunt besteht nie aus nur einer Person.

Im Hintergrund arbeitet ein Team mit bis zu 10 Helfern, die für den Ablauf und

die Sicherheit sorgen.

Bei jedem Sprung stehen z.B. zwei Helfer am Rand des Wasserbeckens, andere halten Feuerlöschdecken und –löscher für den Notfall bereit (falls ich schon brenne und aus irgendwelchen Gründen nicht springen kann).

Sollte ich beim Sprung allerdings einen Felsen streifen, können auch sie nicht mehr eingreifen.

Neben meiner körperlichen Arbeit brauche ich eine Menge kreativer Ideen für neue Stunts, denn bereits während der laufenden Saison  bastele ich an neuen Tricks für den kommenden Sommer.